Rudolf Achenbach Preis 2026
„Der Gewinn ist ein wichtiger Meilenstein für mich“
Im Gespräch mit Svea Marie Kropp, Auszubildende im The Fontenay in Hamburg und Gewinnerin des Rudolf Achenbach Preis 2026. Im Finale des renommierten Nachwuchswettbewerbs überzeugte die 24-Jährige mit Kreativität, Können und starken Nerven
chefs!: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Rudolf Achenbach Preis 2026! Was ist deine wertvollste Erfahrung nach zwei anstrengenden Wettbewerbstagen?
Svea: Am wertvollsten war für mich tatsächlich das Kennenlernen der anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Trotz des Wettbewerbs war die Stimmung total offen und kollegial. Wir hatten auch einen schönen gemeinsamen Abend und konnten uns viel austauschen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich alle arbeiten und welche Erfahrungen sie aus ihren Betrieben mitbringen.
chefs!: Wo lag für dich die größte Herausforderung beim Wettbewerb – und was ist dir leicht gefallen?
Svea: Die größte Herausforderung war für mich auf jeden Fall, in 30 Minuten mit einem unbekannten Warenkorb ein stimmiges Menü zu entwickeln. Da muss man schnell kreativ sein und gleichzeitig ruhig bleiben. Sobald der Plan aber stand, hat mir das Kochen selbst dann wieder Sicherheit gegeben. Ich arbeite gerne strukturiert und Schritt für Schritt – das hat mir geholfen.
chefs!: Wie ist das bisherige Feedback auf deinen Erfolg?
Svea: Ich bin ehrlich gesagt immer noch überwältigt von den vielen positiven Nachrichten und Reaktionen. Damit hätte ich so nicht gerechnet.
chefs!: Wird der Erfolg deinen weiteren Weg als Köchin beeinflussen? Wie sehen deine Pläne für die Zeit nach Abschluss der Ausbildung aus?
Svea: Ich glaube schon, dass der Gewinn ein wichtiger Meilenstein für mich ist – gerade jetzt so kurz vor dem Ende meiner Ausbildung. Tatsächlich haben sich auch schon Betriebe bei mir gemeldet, die mich gerne einstellen möchten. Aber ich will mir für die nächsten Schritte bewusst Zeit nehmen und in Ruhe überlegen, was am besten zu mir passt.
chefs!: Fünf Frauen im Finale – das gabs noch nie beim Rudolf Achenbach Preis. Wie hat diese Frauen-Power das Finale in Frankfurt geprägt?
Svea: Natürlich war das etwas Besonderes und auch schön zu sehen. Aber am Ende standen wir alle mit den gleichen Voraussetzungen in der Küche. Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob jemand Koch oder Köchin ist – wichtig sind das Können, die Leidenschaft und wie man miteinander arbeitet.
chefs!: Wer oder was hat dich zur Teilnahme am Rudolf Achenbach Preis motiviert?
Svea: Meine Ausbilder Stefan Wilke und Jennifer Wondrack haben mich gefragt, ob ich teilnehmen möchte. In der ersten Runde galt es, einen Arbeitsauflaufplan zu verfassen, was ja auch gut in Vorbereitung auf die Abschlussprüfung ist. Im Halbfinale wurden dann zwei Warenkörbe veröffentlicht, die ich hier im Betrieb vorbereiten und zur Probe kochen konnte. Auf das Finale selbst konnte man sich wenig vorbereiten, aber ich habe hier in der Küche und mit Unterstützung der Küchenleitung zwei Tage einzelne Komponenten geprobt.
chefs!: Wie bist du selbst eigentlich zum Kochen gekommen – und was gefällt dir besonders am Beruf?
Svea: Ich habe ursprünglich Politikwissenschaften in Greifswald studiert, aber nach drei Semestern gemerkt, dass mir etwas fehlt. Kochen hat mich schon immer begeistert, weil es einfach alle Sinne anspricht. Man arbeitet kreativ, mit den Händen, und erschafft am Ende etwas, das anderen Freude macht. Deshalb habe ich mich dann für die Ausbildung in Hamburg im The Fontenay entschieden.
chefs!: Kannst du dir vorstellen, auch in 20 Jahren noch Köchin zu sein?
Svea: Ja, auf jeden Fall. Der Beruf ist unglaublich vielseitig, und man lernt eigentlich nie aus.
chefs!: Wenn du einen Wunsch frei hättest – was würdest du am Kochberuf ändern wollen, damit sich noch mehr junge Menschen dafür begeistern?
Svea: Die Arbeitszeiten sind natürlich manchmal eine Herausforderung – gerade an Wochenenden oder Feiertagen. Und auch das Thema Familienfreundlichkeit könnte in der Branche noch stärker mitgedacht werden. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass mehr junge Köchinnen und Köche als Botschafter zeigen, wie kreativ und vielseitig der Beruf eigentlich ist.
Leonie Maier
Das sagt die Zweitplatzierte vom 1950 Bio Fine Dining Restaurant der Tress Gastronomie (Ehestetten) über …
Ihre wertvollste Erfahrung
Auch wenn es nicht ganz bis zum Sieg gereicht hat – wichtig ist, dass man selbst mit seiner Leistung zufrieden ist, dann hat man gewonnen. Ich weiß, das hört man 100mal, aber es stimmt wirklich. Das Gefühl, ein Teil dieses großartigen Wettbewerbs gewesen zu sein, ist unglaublich.
Die Black Box
Am schwersten war für mich die Black Box, also keine Ahnung zu haben, was einen beim praktischen Kochen erwartet. Von Anfang an hatte ich Bedenken: Was passiert, wenn ich nicht weiß, was ich kochen soll? Was passiert, wenn ich die Zutaten noch nie verarbeitet habe? Mich in dem Moment nicht verrückt zu machen, ist mir schwer gefallen. Das Kochen im Food Truck war dann doch leichter als gedacht, die Atmosphäre war sogar richtig cool. Ich hatte meinen eigenen Platz zum Arbeiten und wurde nicht abgelenkt.
Ihre berufliche Zukunft
Man lernt nie aus, vor allem nicht in diesem Beruf. Ich weiß, dass es noch Luft nach oben gibt, und dort will ich hin. Ich werde wahrscheinlich für immer bei meinem Ausbilder Simon Tress auf der Schwäbischen Alb bleiben. Familie und Heimat sind mir sehr wichtig, und bei Simon Tress bzw. der Tress Gastronomie bin ich angekommen. Ich habe dort alles, was ich möchte: ein tolles Team, Nachhaltigkeit beim Umgang mit Lebensmitteln und die Unterstützung der Tress-Brüder, die mir künftig die Möglichkeit geben wollen, den Ausbilderschein zu machen und das wertvolle Wissen, das ich bei ihnen erhalten habe, an andere weiterzugeben.
Fünf Frauen im Finale
Von Anfang an stand nicht das Konkurrenzdenken im Vordergrund. Man hat sich gegenseitig gut zugesprochen, Mut gemacht, unterstützt – und bei der Siegerehrung in den Arm genommen und gratuliert. Ein bisschen traurig und mit den Worten „Ich komm dich mal besuchen“ haben wir uns dann voneinander verabschiedet. Bei der Siegerehrung wurde oft gesagt, dass der moderne Kochberuf femininer wird. Mir persönlich ist wichtig, dass jede und jeder, egal ob Frau oder Mann, seine Chance auf berufliche Erfüllung bekommt.
Shakhrizoda Bakhodirova
Das sagt die drittplatzierte Finalistin vom Landhotel Voshövel in Schermbeck über …
Ihr Faible für Wettbewerbe
Ich nehme sehr gerne an Wettbewerben teil. Für mich geht es dabei nicht nur darum, mein Können zu zeigen, sondern vor allem darum, dazuzulernen. Man sieht, wie andere arbeiten, entdeckt neue Ideen und findet heraus, wie man sich selbst weiterentwickeln kann. Außerdem lernt man interessante Menschen kennen und knüpft neue Freundschaften. Vom Achenbach Preis habe ich durch meinen Klassenlehrer, Jörg Lourens, erfahren. Es gab viele Menschen, die mich auf diesem Weg ins Finale begleitet und unterstützt haben. Besonderer Dank gilt meinem Küchenchef Christian Penzhorn, der mich bis zum Finale begleitet und jederzeit unterstützt hat.
Die Herausforderungen im Finale
Die größte Herausforderung war für mich die Black Box. Aus den vorgegebenen Zutaten ein passendes Menü zu entwickeln und dieses anschließend umzusetzen, war nicht einfach. In der Küche kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Im Wettbewerb musste ich mich jedoch an den vorhandenen Warenkorb anpassen und mit begrenzten Zutaten arbeiten. Genau das hat mir besonders gefallen: spontan ein Gericht zu entwickeln und umzusetzen. Spannend fand ich, dass sich kein Teller wiederholt hat. Wir alle haben die Zutaten auf unsere eigene Weise interpretiert. Diese Individualität macht unseren Beruf für mich besonders attraktiv.
Erkenntnisse im Wettbewerb
Der Finaltag war für mich ein besonderes Erlebnis. Die Veranstaltung war sehr gut organisiert und hat großen Spaß gemacht. Besonders spannend war es, die anderen Finalisten kennenzulernen. Der Austausch untereinander war für mich sehr inspirierend. Außerdem habe ich gelernt, dass man nicht allein durch gutes Kochen ein Profi wird. Zu diesem Beruf gehören viele weitere Fähigkeiten und Eigenschaften, die eine gute Köchin oder einen guten Koch ausmachen.
Ihre berufliche Zukunft
Ich habe in meiner Heimat Usbekistan Tourismus studiert. Kochen war dabei immer mein großes Hobby. Seit zweieinhalb Jahren bin ich jetzt in Deutschland und habe hier auch erst die Sprache gelernt. Ich habe noch ein Ausbildungsjahr vor mir. Was genau danach kommt? Ich möchte offen bleiben. Für die Zukunft wünsche ich mir, als Köchin meinen eigenen Stil zu entwickeln, kreative Ideen einzubringen und einen kleinen positiven Beitrag zur großen Welt der Gastronomie zu leisten.
Auf einen Blick
Rudolf Achenbach Preis 2026
Seit 2025 dürfen Auszubildende des zweiten und dritten Ausbildungsjahres am Rudolf Achenbach Preis teilnehmen, und diese neue Regelung zahlt sich aus. Rund ein Drittel aller Teilnehmenden der Halbfinals 2026 waren im zweiten Ausbildungsjahr, eine Teilnehmerin schaffte sogar den Sprung bis ins Finale. In den Halbfinals lag das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Teilnehmenden bei etwa 50:50. Beim Wettbewerbsfinale in der Naxoshalle in Frankfurt am Main waren fünf von sechs Titelaspiraten weiblich.
Am ersten Tag war ihr theoretisches Wissen mit der Beantwortung von Fachfragen und Warenerkennung gefragt. Beim Wettkochen galt es, innerhalb von sechs Stunden ein Drei-Gang-Menü und Fingerfood in Foodtrucks zuzubereiten. Clou: Der Warenkorb wurde erst unmittelbar vor dem Finalkochen bekannt gegeben.
Alle Finalteilnehmenden erhielten Geld- und Sachpreise, die von Partnern der Gastronomiebranche zur Verfügung gestellt wurden. Darüber hinaus vergab Transgourmet Deutschland den mit 500 Euro dotierten „Better Use Award“ die Zweitplatzierte Leonie Maier für nachhaltiges Arbeiten. Die drei Bestplatzierten erhielten Förderpreise der Deutschen Hotelakademie für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.
Die Platzierungen
1. Platz: Svea Marie Kropp | The Fontenay, Hamburg | 3. Lehrjahr
2. Platz: Leonie Maier | 1950 Bio-Fine-Dining-Restaurant, Hayingen-Ehestetten | 3. Lehrjahr
3. Platz: Shakhrizoda Bakhodirova | Landhotel Voshövel, Schermbeck | 2. Lehrjahr
4. Plätze:
Dennis Weinert | Hotel Traube Tonbach, Baiersbronn | 3. Lehrjahr
Isabelle Hatesuer | Gasthaus Müller, Barsinghausen-Göxe | 3. Lehrjahr
Maike Hohndorf | Dorint Hotel Frankfurt/Oberursel | 3. Lehrjahr
Interview: Sabine Romeis
Fotos: Transgourmet/Gregor Ott