RAK Porcelain Europe

Wie stark trifft RAK Porcelain der Iran-Konflikt?

Sven Bodry, Joint Managing Director bei RAK Porcelain Europe, über die derzeitigen Herausforderungen des Geschäfts mit Porzellan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Stimmung vor Ort und warum das Deutschland-Geschäft im ersten Halbjahr 2026 die Vorjahresumsätze übertrifft

chefs!: Neun von zehn Industrieunternehmen in Deutschland sehen ihre Geschäfte durch den Iran-Krieg beeinträchtigt, so eine aktuelle Umfrage des ifo-Instituts. Um wie viel härter trifft der Konflikt RAK Porcelain Europe?
Bodry: Natürlich trifft uns ein solcher Konflikt stärker als ein Unternehmen, das ausschließlich innerhalb Europas produziert. Unsere Produkte werden in Ras Al Khaimah hergestellt und müssen ihren Weg nach Europa finden. Wenn sich plötzlich eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt verändert, spüren wir das unmittelbar. Dennoch möchte ich die Situation nicht dramatisieren. Unsere Produktion läuft unverändert, die Rohstoffversorgung ist gesichert, und unsere Werke produzieren weiterhin auf hohem Niveau. Als international aufgestellte Unternehmensgruppe sind wir es gewohnt, mit Herausforderungen umzugehen und alternative Lösungen zu entwickeln. Wir sind betroffen, ja, aber wir sind keineswegs handlungsunfähig. Genau in solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig langfristige Planung, starke Teams und eine robuste Unternehmensstruktur sind.

chefs!: Wie gelangt Ihre Ware aktuell nach Europa? Gibt es Lieferengpässe?
Bodry: Die ersten Wochen nach der Eskalation waren sehr herausfordernd. Es gab praktisch keine belastbare Lösung, um die gewohnten Transportwege zu ersetzen. Rückblickend betrachtet, hatten wir Glück im Unglück: Zum einen war unser europäisches Zentrallager in Luxemburg noch sehr gut gefüllt. Zum anderen hatten rund 30 Container auf dem Weg nach Europa die Straße von Hormus bereits passiert. Genau das hat uns wertvolle Zeit verschafft. Heute funktioniert die Logistik wieder, allerdings auf einem deutlich aufwendigeren und auch kostspieligeren Weg.

chefs!: Welchen Weg nehmen Container mit RAK Porcelain heute?
Bodry: Unsere Container werden zunächst auf dem Landweg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Saudi-Arabien transportiert und anschließend über den Hafen von Jeddah nach Europa verschifft. Die verfügbaren Kapazitäten sind jedoch deutlich begrenzt, denn die generelle Nachfrage nach alternativen Transportlösungen ist enorm. Entsprechend haben sich die Kosten massiv erhöht. Aktuell bezahlen wir für einzelne Transporte das bis zum Siebenfache dessen, was wir vor dem 28. Februar kalkuliert haben. Trotzdem ist es gelungen, die Versorgung unserer Kunden sicherzu­stellen. Darauf sind wir, ehrlich gesagt, auch ein wenig stolz. Die Teams in Ras Al Khaimah, Luxemburg und bei unseren Logistikpartnern haben in den vergangenen Monaten Außergewöhn­liches geleistet. Natürlich kann es vereinzelt zu längeren Laufzeiten kommen. Von einem generellen Lieferengpass kann jedoch keine Rede sein.

chefs!: Der Transport läuft jetzt über Saudi-Arabien. Wie lange kann RAK Porcelain den Mehraufwand stemmen?
Bodry: Das kann heute niemand seriös vorhersagen. Wir erleben derzeit eine Situation, die es in dieser Form in unserer Branche lange nicht gegeben hat. Die Transportkosten haben sich vervielfacht, die Prozesse sind komplexer geworden, und die Planungssicherheit ist geringer als noch vor einigen Monaten. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann: Für uns stand nie die Frage im Raum, ob wir liefern – die Frage war lediglich, wie wir liefern. Unsere Kunden erwarten zu Recht Verlässlichkeit, und genau darauf konzentrieren wir uns. Natürlich hoffen wir alle auf eine Entspannung der Lage. Bis dahin werden wir weiterhin alles daran setzen, unsere Kunden zuverlässig zu versorgen – auch wenn dies aktuell viel mehr Aufwand und deutlich höhere Kosten verursacht.

chefs!: Inwieweit werden die Mehr­kosten an die Kunden weitergegeben? Und wie reagieren die Kunden auf die finanziellen Aufschläge?
Bodry: Unser Ziel war und ist es, die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Deshalb haben wir die erheblichen Mehrkosten zunächst selbst getragen. Erst rund vier Monate nach Beginn der Krise haben wir entschieden, einen temporären Transport- und Energiekostenzuschlag einzuführen, der ab 1. Juli in Kraft tritt. Angesichts der aktuellen Transportkosten, die heute, wie erwähnt, teilweise das bis zu Siebenfache des ursprünglichen Niveaus betragen, war dieser Schritt leider unvermeidbar. Gleichzeitig möchte ich erwähnen, dass RAK Porcelain in den letzten 24 Monaten keine Preiserhöhung in Deutschland vorgenommen hat.

chefs!: Kann und wird es denn auch in Zukunft dabei bleiben?
Bodry: Der Zuschlag ist ausdrücklich als eine temporäre Maßnahme gedacht. Sobald sich die Situation entspannt und die Transportkosten wieder sinken, werden wir diesen Zuschlag reduzieren oder vollständig zurücknehmen. Wir wollen nicht von der Situation profitieren. Unsere Zielsetzung ist es vielmehr, eine außergewöhnliche Belastung in einer außergewöhnlichen Situation möglichst fair zu verteilen.

chefs!: Und was sagen die Kunden?
Bodry: Natürlich sind solche Maßnahmen nicht populär. Dennoch haben die meisten Kunden Verständnis. Und viele erkennen an, dass die aktu­ellen Herausforderungen weder von den Herstellern noch von den Kunden verursacht wurden.

chefs!: Spürt RAK Porcelain Europe angesichts des Iran-Konflikts eine Kaufzurückhaltung?
Bodry: Man muss differenzieren. Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Gastronomie und Hotellerie haben nicht erst mit dem aktuellen Konflikt begonnen. Hohe Energiepreise, steigende Personalkosten, Inflation und eine insgesamt vorsichtigere Investitionsbereitschaft beschäftigen unsere Kunden bereits seit längerer Zeit. Der aktuelle Konflikt hat diese Situation sicherlich zusätzlich verschärft und sorgt für weitere Unsicherheit. Para­doxerweise erleben wir in Deutschland aktuell eine sehr positive Entwicklung. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnen wir ein zweistelliges Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr. Das ist allerdings kein Zufall.

chefs!: Worauf führen Sie die Umsatzzuwächse konkret zurück?
Bodry: In den vergangenen Jahren hat RAK Porcelain die Marktstrategie in Deutschland konsequent weiterent­wickelt und sich deutlich breiter aufgestellt. Inzwischen sind wir längst nicht mehr nur in der klassischen Gastronomie und Hotellerie aktiv. Die Gemeinschaftsverpflegung und das Gesundheitswesen, Stadien, Freizeit- und Event­-Gastronomie sowie weitere profes­sionelle Einsatzbereiche gewinnen für uns zunehmend an Bedeutung. Die Diversifizierung macht uns widerstandsfähiger und eröffnet zudem neue Wachstumschancen. Aktuell sehen wir keinen Grund für Pessimismus. Unsere Projekt-Pipeline ist gut gefüllt, und die Nachfrage ist weiterhin vorhanden. Für Küchenchefs, Einkäufer und Gastronomen bedeutet das vor allem eines: Es gibt aktuell keinen Grund, Bestellungen aufzuschieben oder Versorgungsengpässe bei RAK Porcelain zu befürchten.

chefs!: Wie ist die Situation und Stimmung vor Ort in Ras Al Khaimah? Wird im RAK Porzellanwerk nach wie vor in vollem Umfang produziert, oder gibt es Einschränkungen?
Bodry: Die Produktion läuft weiterhin in vollem Umfang. Wir stehen seit Beginn des Konflikts täglich in engem Austausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Ehrlich gesagt, ich hatte manchmal den Eindruck, dass wir hier in Europa deutlich besorgter waren als die Menschen vor Ort in den Vereinigten Arabischen Emiraten. ­Unsere Kolleginnen & Kollegen dort bestätigen uns immer wieder, dass das Krisenmanagement vor Ort sehr professionell organisiert ist. Die Bevölkerung wird regelmäßig informiert, die Sicherheitsmaßnahmen sind klar definiert. Man fühlt sich gut aufgehoben. Genau dieses Gefühl der Sicherheit und Transparenz wurde und wird uns von unseren Teams in Ras Al Khaimah immer wieder vermittelt.

chefs!: Überträgt sich die Gelassenheit der Menschen vor Ort denn auch auf die Teams von RAK Porcelain Europe?
Bodry: Natürlich verfolgen wir die Entwicklungen in der Region aufmerksam, doch die Rückmeldungen der Kolleginnen & Kollegen vor Ort geben auch uns hier Sicherheit. Die Porzellanproduktion läuft unverändert weiter, die Teams arbeiten professionell und fokussiert, und die Zusammenarbeit zwischen Werk, Headquarter und den internationalen Tochtergesellschaften ist aktuell enger denn je. Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen zeigt sich die Stärke einer internatio­nalen Unternehmensgruppe. Man rückt näher zusammen, unterstützt sich gegenseitig und konzentriert sich auf das Wesentliche: die Kunden weiterhin zuverlässig zu beliefern.

„Es gibt aktuell keinen Grund, Bestellungen aufzuschieben oder Versorgungsengpässe bei RAK Porcelain zu befürchten.“

Sven Bodry, Joint Managing Director, RAK Porcelain Europe

Interview: Sabine Romeis
Fotos: RAK Porcelain Europe