Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat

Rheingau jenseits Riesling-Romantik

Das Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat ist der neue Place to be im Rheingau. Küchenchef Falk Richter setzt auf regional betonte Küche in Restaurant, Sommergarten, Rooftop-Bar sowie bei Tagung & Event

Tourismus in der Riesling-Region Rheingau? Kennt man. Vermeintlich. Jenseits von Straußwirtschaft, Weinfest und Gutsausschank bietet das neue Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat einen alternativen Ansatz, um die außergewöhnliche Kulturlandschaft der wohl bekanntesten Weinbauregion Deutschlands zu erleben. Das Haus liegt in einzigartiger Panoramalage hoch oben über der Weinbaugemeinde Kiedrich – auf einem Bergplateau, umgeben von 18 Hektar hoteleigenem Wald. Es hat 80 Zimmer, ein Restaurant mit regional betonter Küche, einen Sommergarten, eine Rooftop-Bar, Rooftop-Saunen sowie flexible Tagungs- und Eventflächen. Darüber hinaus laden vielfältige Aktivangebote zum Erholen, Erleben und Energietanken im Rheingau ein. Sehenswürdigkeiten wie Kloster Eberbach und Schloss Johannisberg, das Niederwalddenkmal, die beiden Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden sowie Frankfurt am Main sind in kurzer Zeit zu erreichen.

Moderne Architektur als Spiegelbild der Natur

Das Wald.Weit nimmt schon auf den ersten Blick mit seiner außergewöhnlichen, modernen Architektur gefangen. Sie spiegelt den Wald und die umgebende Natur wider. Die langen, dünnen Holzstämme der Fassade erinnern an hohe Bäume und dichtes Unterholz. Die Verbindung von Natur und Design setzt sich auch im Interior fort. Da ist die Lobby im Holzlamellen-Design, und da sind die mit viel Holz modern gestalteten Zimmer mit Balkonen und bodentiefen Fenstern, durch die der Gast eine fantastische Aussicht aufs Rheintal oder den Wald und die Natur genießt.

Falk Richter (42) lernte Koch auf Sylt. Später arbeitete er u.a. in der Schweiz, in Schuhbecks Südtiroler Stuben in München und in Otto Kochs 181 auf dem Münchner Olympiaturm, bevor er 2011 in den Rheingau kam. Hier gehörten die Burg Schwarzenstein in Geisenheim, das Winzerkeller-Restaurant in Ingelheim und Kloster Eberbach in Eltville-Erbach zu seinen wichtigsten Stationen. Seit August 2024 ist der Vater zweier Söhne Küchendirektor im Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat.

Das Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat empfing im Februar 2025 seine ersten Gäste. Die Nutzung des Geländes geht indes bereits in die 1960er Jahre zurück, als hier ein Ferienzentrum der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der IG Bau-Steine-Erden entstand. Ende der 1980er Jahre zog ein Software-Unternehmen ein und blieb bis 2003. Dann lag das Areal über zehn Jahre brach, bis es 2014 von der Ingelheimer Unternehmensgruppe Gemünden/Molitor erworben wurde. Diese betreibt bereits seit drei Jahrzehnten das Boutiquehotel Hofgut Wißberg – Das Weinberghotel in St. Johann, Rheinhessen. Gemünden/Molitor ist ein traditionsreiches Bau- und Immobilienunternehmen in Familienbesitz, das seit fünf Generationen im Rhein-Main-Gebiet erfolgreich tätig ist. Für die Neuerwerbung wurden verschiedene Nutzungskonzepte entwickelt, bis im Jahr 2020 schließlich die Entscheidung fiel, auf dem Areal hoch über Kiedrich ein Hotel mit großzügigen Veranstaltungsräumen entstehen zu lassen; ein Angebot, das bislang in der Region fehlte.

Kulinarische Reise durch die Region

Die Ausführung übernahm die Hotelsparte der Unternehmensgruppe, sprich die TT Hospitality GmbH & Co. KG der Geschwister Tina Badrot und Tim Gemünden. So entstand das heutige Wald.Weit- Ensemble, das zwei Gebäude miteinander verbindet: einerseits den Hotelbau, andererseits den Gastronomie- und Eventflächen-Bereich. Parallel wurden 15 Wohnungen mit Kapazitäten für 30 Mitarbeiter:innen errichtet. Bis 2027 soll der Spa- und der Wellnessbereich in einem weiteren Gebäude fertiggestellt sein, zu dem auch ein stilvolles Wellness-Bistro gehören wird. Küchenchef Falk Richter ist bereits heute mit den Planungen für das dann erweiterte Angebot im Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat befasst. Für ihn steht fest, dass er auch dort seine Gäste mitnimmt auf eine kulinarische Reise durch die Region. Die Einbindung der regionalen Besonderheiten kennzeichnet den Küchenkurs im Hotel. Viele Zutaten kommen im Sommer aus dem hauseigenen Garten auf den Teller. Wildkräuter verleihen den Gerichten das gewisse Etwas.

Fleisch kommt von Erzeugern aus der Umgebung, auch für Gemüse & Co. hat Falk Richter Lieferanten und Erzeuger in der Umgebung verpflichtet. Er arbeitet bereits seit 2011 im Rheingau und war zuletzt Küchenchef der Gastronomie im Kloster Eberbach, das nur eine Wanderung durch den Wald entfernt liegt. Im Restaurant Wald.Fein lockt für die Übernachtungsgäste am Morgen ein variantenreiches Frühstücksbüfett; mittags und abends wird à la carte serviert. Dann gibt’s als Vorspeise beispielsweise Fermentierten Blumenkohl, gefolgt von Brennnesselsuppe und einer Goldforelle mit Löwenzahn und Topinambur. Die Hauptspeise besteht vielleicht aus einem Hirschkalbsrücken mit Birkenrinde-Pasta und Apfel-Karamell. Ein Rhabarber-Baiser als Dessert rundet das Menü ab.

Weitläufige Terrasse mit Blick über den Rheingau

An den Wochenenden gibt es zwischen 15 und 17 Uhr zudem Afternoon Tea. Im Außenbereich des Restaurants befindet sich eine weitläufige Terrasse, die in der warmen Jahreszeit ganztägig zum Speisen unter freiem Himmel einlädt. Sie bietet auch den idealen Rahmen zum Netzwerken oder für einen Kaffee zwischendurch. Die Weinkultur des Rheingaus ist ein zentrales Thema im Restaurant Wald.Fein. Gäste können aus 300 Etiketten die perfekte Weinbegleitung zu ihren Speisen wählen. Darüber hinaus kooperiert das Hotel mit dem Spitzenweingut Robert Weil aus Kiedrich. Es zählt zu den bekanntesten Weingütern Deutschlands und wird vor allem für seinen trockenen Rheingau-Riesling geschätzt. In der Rooftop-Bar & Lounge Wald.Tropfen stehen Cocktails, Drinks und erlesene Weine auf der Karte. Die gemütlichen Loungemöbel vor bodentiefen Fensterfronten bieten den besten Blick übers Rheintal. In unmittelbarer Nähe zum Hotel und idyllisch am Waldrand gelegen, befindet sich der Sommergarten mit rund 100 Sitzplätzen – der perfekte Ort, um sich nach einer Wanderung oder Radtour mit leichten, regionalen Spezialitäten verwöhnen zu lassen und die Aussicht zu genießen. Der Sommergarten ist von Donnerstag bis Sonntag von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet.

Sagen Sie mal, Falk Richter, wie geht Pasta aus Baumrinde?

Richter: Ich faste einmal im Jahr und trinke dann Birkensaft zum Entwässern. Irgendwann habe ich gelesen, dass man noch mehr vom Baum nutzen kann. Früher haben die Bauern, wenn der Winter lang war und das Mehl knapp wurde, die Birkenrinde gesammelt und zu Mehl vermahlen. Genau daran knüpfen wir an. Unsere Gnocchi und Ravioli aus dem Mehl der Birkenrinde sind inzwischen schon echte Klassiker auf unserer Karte und bei den Gästen sehr beliebt. Wir haben, ehrlich gesagt, auch intensiv am Rezept gearbeitet, um den doch recht eigenen Geschmack vom Birkenmehl etwas abzumilden, ohne dass dabei der besondere Charakter verloren geht.

chefs!: Auch das übrige Angebot auf Ihrer Karte im Restaurant Wald.Fein ist alles andere als Mainstream. Da findet man etwa fermentierten Blumenkohl, Brennesselsuppe und Wild. Wie prägt die Umgebung Ihre Küche?

Richter: Ich arbeite bereits seit 15 Jahren im Rheingau, kenne viele regionale Erzeuger und Lieferanten und nutze gerne deren Angebote. Das Hotel ist zudem von einem 18 Hektar großen Wald umgeben, in dem gejagt werden darf. Wir haben einen eigenen Wildraum gebaut, in den die Jäger das erlegte Wild zum Abhängen bringen. Später wird es dort vom Metzger zum Zerlegen und Weiterverarbeiten abgeholt. Er macht für uns auch die Wildbratwürste, die wir bei Veranstaltungen oder über unseren Foodtruck verkaufen. Und wir hatten auch schon Veranstaltungen, bei denen das Reh aus unserem eigenen Wald eine der kulinarischen Attraktionen war.

chefs!: Sammeln Sie auch Wildkräuter und Beeren vor der Küchentür?

Richter: Das würden wir sehr gerne machen, aber wir sind aktuell noch in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, das eine mögliche Kontaminationsgefahr mit dem Fuchsbandwurm prüft. In der Zwischenzeit bauen wir darum Wildkräuter selber an und beziehen sie von Lieferanten wie Rungis & Co.

chefs!: Seit einem Jahr sind Sie nun hier am Start. Was ist Ihr Learning, und wie zufrieden sind Sie mit dem Erreichten?

Richter: Ich bin seit 25 Jahren Koch und schon 18 oder 19 Mal umgezogen. Das Wald.Weit ist die sechste Neueröffnung, die ich aktiv mitgemacht habe, und es wird definitiv meine letzte sein. Das bin ich auch meiner Familie schuldig. Wie bei jeder Neueröffnung gab es Kinderkrankheiten, die wir aber erfolgreich überstanden haben. Das Team musste sich finden und einspielen. Alles in allem sind wir auf dem richtigen Weg und freuen uns über die sehr gute Nachfrage nach unseren Ausbildungsplätzen. Wir bieten ein ideales Lernumfeld mit geregelten Arbeitszeiten. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nach dem ersten anspruchsvollen Jahr nicht, denn bald steht ja die nächste Neueröffnung an: die der Gastronomie im bis 2027 entstehenden Spa- und Wellnessbereich

„Unsere Gnocchi und Nudeln mit dem Mehl der Birkenrinde sind inzwischen echte Klassiker.“

Falk Richter, Küchenchef, Wald.Weit Rheingau Hotel & Retreat, Kiedrich

Text und Interview: Sabine Romeis
Fotos: Nadja Kuschel; Stefan Schütz