Premiere iCombi Pro

Warum gerade jetzt,
Herr Frosch?

Mitten in der Corona-Krise bringt Rational den neuen iCombi Pro auf den Markt. Ein Gespräch mit Oliver Frosch, Executive Vice President DACH bei der Rational AG

Oliver Frosch, Executive Vice President DACH bei der Rational AG

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Bislang war ja das SelfCookingCenter das Mass aller Gar-Dinge im Hause Rational. Warum kommt ausgerechnet jetzt – mitten in der Corona-Krise – ein neuer Combi-Dämpfer aus Landsberg auf den Markt?

Frosch: Der Termin zur Produkteinführung der neuen Gerätegeneration stand schon lange vor dem „Lock Down“ fest. Die Entwicklung einer solchen neuen Gerätegeneration ist ein sehr langer Prozess. Der Markteinführung gingen allein 18 Monate Praxiseinsatz bei unseren Testkunden voraus. Die ursprüngliche Planung war, den iCombi Pro im Vorfeld der Internorga in Hamburg 2020 zu präsentieren. Natürlich live und im Rahmen eines großen Events für unsere Händler und Kunden. Alles war minutiös vorbereitet, doch dann nahm die Corona-Krise ihren Lauf. Messen und andere Großveranstaltungen durften nicht mehr stattfinden. Der Rest ist sozusagen Geschichte. Es gab für uns einfach zu keinem Zeitpunkt die Alternative das Produkt nicht auf den Markt zu bringen.

Aber wie sinnvoll ist der Relaunch eines Combi-Dämpfers, noch dazu unter neuem Namen, in einer Zeit, in der die Kunden ans wirtschaftliche Überleben und nicht ans Investieren denken?

Frosch:  Das Vorgängermodell, unser SelfCookingCenter wurde im April 2011eingeführt, 2014  aktualisiert und optimiert, sowie 2016 mit dem XS eine weitere Gerätegröße eingeführt. Damit waren alle Möglichkeiten der alten SCC-Plattform ausgereizt. Mit der neuen iCombi Pro-Generation sind wir nun für die Zukunft gerüstet. Wir konnten mit der Einführung des neuen Geräts kaum länger warten. Ab einem gewissen Zeitpunkt in einem solchen Projekt gibt es schlichtweg kein Zurück mehr. Und natürlich sind wir uns der Lage bewusst, in der sich unsere Branche befindet. Es ist doch vielmehr die Frage, wie wir nun gemeinsam Wege aus der Krise finden.

Sie sprechen die Auswirkungen von Corona auf die Lieferketten an – und dass Sie nicht in der Lage gewesen wären, die alte Linie weiterzuliefern. Haben Sie daraus Konsequenzen gezogen?

Frosch: Wir haben sozusagen das Glück, dass wir schon weit im Voraus, sprich vor dem Baustart für die neue Linie, begonnen hatten, unsere Lieferketten enger um den Kirchturm aufzubauen. Insofern mussten wir nicht erst nach leidvoller Erfahrung Konsequenzen ziehen, sondern waren sozusagen vorbeitet. Bereits für den Bau das SCC waren wir regional aufgestellt, für den iCombi Pro haben wir jedoch die regionalen Lieferketten noch weiter ausgebaut. 80 Prozent aller Komponenten für die neue Gerätelinie kommen aus einem Radius von 200 Kilometern um Landsberg, und wir haben noch mehr Prozesse in die Eigenfertigung aufgenommen. Wir sind überzeugt: Je mehr Bauteile wir im nahen Umfeld beziehen, desto besser können wir die Qualität steuern und unter Kontrolle behalten. Unser Ziel ist klar definiert: Mit dem iCombi Pro wollen wir das sicherste, beste und zuverlässigste Gerät im Markt produzieren, das obendrein eine lange Lebensdauer hat.

iCombi Pro im Hotel Schlossanger Alp, Pfronten

Dann gibt es also künftig von Rational nur noch den iCombi Pro und den kleinen Bruder iCombi Classic?

Frosch: Ja, so ist das. Wir haben den iCombi Pro Anfang Mai online vorgestellt. Zeitgleich haben wir das letzte SCC ausgeliefert. Am Tag darauf gingen ab Produktionsstandort Landsberg nur noch der iCombi Pro in den Versand.

Der Neue strotzt ja vor allem mit noch mehr Leistungsfähigkeit – in der Online-Präsentation werden beispielsweise 160 Cordon bleu in 15 Minuten zubereitet. Wer braucht ein solch leistungsstarkes Gerät in diesen Wochen und Monaten, wo Großveranstaltungen vorerst bis 31. August abgesagt sind?

Frosch: Es stimmt, derzeit können wir mit keinem breitflächigen Nachfrage-Hype rechnen, aber wir hoffen zum Beispiel auf Kunden, die jetzt antizyklisch investieren. Die Gastronomie und Hotellerie sowie die Eventbranche leiden derzeit massiv unter den Auswirkungen der Corona-Krise auf ihr Geschäft und ihre Umsätze. Trotzdem werden nach wie vor in vielen Bereichen sehr viele Menschen verpflegt, ich denke da zum Beispiel an Altenheime, Krankenhäuser sowie die Gemeinschaftsverpflegung in der produzierenden Industrie: Für diese Kunden bietet das neue Gerät eindeutig Vorteile, weil es noch leistungsstärker und effizienter arbeitet.

iCombi Pro Sapori

Effizienz und Flexibilität des neuen iCombi beeindrucken – Sie werben mit einer 50 Prozent höheren Produktivität. Beim Energieverbrauch liegt der iCombi Pro aber nur zehn Prozent unter dem des Vorgängermodells SCC. Da hätte man sich Blick auf den Klimawandel doch eher den Quantensprung gewünscht. Stand die Verbesserung der Energieeffizienz weniger im Fokus der Ingenieure und Entwickler?

Frosch: Die Combi Dämpfer Technologie war energetisch schon immer ganz vorne. Jetzt haben wir es geschafft nochmals zehn Prozent mehr an Effizienz rauszuholen. Basierend auf den bereits vorher schon extrem guten Effizienzwerten sind weitere 10% wie ich finde ein sehr beachtliche Entwicklung. Das Thema Klima- und Ressourcenschutz ist uns sehr wichtig. Wir haben unseren Blick parallel auf das Thema Reinigerchemie gerichtet. Das Ergebnis sind phosphatfreie Reiniger und neue Reinigungsmodi, dank derer der iCombi Pro je nach Reinigungsaufgabe bis zu 50 Prozent weniger Reinigungschemie im Vergleich zu seinem Vorgänger benötigt

Ein weiteres wichtiges Thema für die Kunden ist der Preis, gerade in diesen umsatzschwachen Zeiten. Ist der iCombi Pro teurer als der SCC?

Frosch: Es hat eine ganz leichte Preisanpassung stattgefunden, aber dafür bekommt der Kunde auch einen klaren Mehrwert. Und noch eine gute Nachricht: Weil die Bauformen gleich sind, kann der Kunde überall, wo bisher ein alter SCC stand, problemlos einen neuen Combi Pro aufstellen.

Worauf sind Sie beim Blick auf das neue Gerät am meisten stolz?

Frosch: Die neue Zwischenreinigung ist ein wirkliches Highlight. Damit wird das Gerät beispielsweise nach dem Grillen in nur zwölf Minuten vollautomatisch so gereinigt, dass der Benutzer danach sofort dämpfen kann. Als kürzere Leerlaufzeiten im Tagesgeschäft. Stolz bin ich auch auf die im Gerät integrierte WiFi-Schnittstelle. Wir glauben fest daran, dass in Zukunft das Thema Vernetzung sehr wichtig wird. Mit diesem Gerät ist die Vernetzung jederzeit problemlos möglich, es müssen keine Kabel verlegen werden.

Die Rational AG ist ein börsennotiertes Unternehmen, Weltmarktführer für thermische Gartechnik und erfolgsverwöhnt. Mit welchen Absatzplanzahlen operieren Sie für das neue Gerät? 

Frosch: Ganz ehrlich? Wir trauen uns im Moment keinerlei Prognosen zu, zumal wir nicht vorhersehen können, wie sich die Corona-Krise weiterentwickeln wird. Auch wenn wir im Moment eine extrem positive Resonanz auf unsere Innovation erfahren, selbst von Kunden ohne aktuelles Kaufinteresse, ist uns eine wirklich belastbare Prognose, wie sich die Absatzzahlen entwickeln werden derzeit nicht möglich.

Wie erleben Sie Ihre Kunden in Zeiten der Corona-Krise und des bundesweiten Restarts – wie schauen sie in die Zukunft?

Frosch: Im Moment überwiegt an allen Stellen eine deutlich spürbare Existenzangst und die Ungewissheit wie alles weitergehen soll.  Selbst die Lockerungen veranlassen nicht bei allen eine Aufbruchsstimmung, da die Gästezahlen die für ein geregeltes und rentables Tagesgeschäft benötig werden, nicht erreicht werden können. Vor allem kleinere Betriebe sind von den Auflagen betroffen. Aus einigen Gesprächen sind sogar Überlegungen zu vernehmen, ob ein „Re-Start“ überhaupt Sinn macht. Aber dennoch schauen wir positiv in die Zukunft, wir werden auch diese Krise überstehen und wir werden alles dafür tun und Unterstützung anbieten, wo immer es uns möglich ist.

Welche Auswirkungen hat die Krise im Unternehmen Rational?

Frosch: Auch bei uns waren die Vertriebsmitarbeiter im Homeoffice, sie kehren nun langsam zurück. Die Produktion ist bisher durchgelaufen, doch wir schließen Kurzarbeit in den nächsten Monaten nicht aus. Rational steht auf gesunden Füßen, aber auch wir müssen Prioritäten setzen und Ausgaben und Investitionen aktuell ganz genau abwägen und hinterfragen.

Rational ist wirtschaftlich gut aufgestellt, aber wie kommen Ihre Händler und wie kommt der Rest der Zulieferindustrie durch diese Krise?

Frosch: Das ist in der Tat für alle eine ganz große Herausforderung, alle Zulieferer und Partner der Branche sind von Auftragseinbrüchen und Umsatzrückgang betroffen. Wie stark die Auswirkungen am Ende für jeden Einzelnen sein werden, hängt nun auch davon ab, wie schnell sich die Lage entspannt und welche Unterstützung zu erwarten ist. Hier sind wir alle gefragt, gemeinsame Ansätze zu finden.

Haben Sie ein Konzept für die Zukunft der Branche?

Frosch: Wir alle, egal ob Hersteller, Kunde, Verbände, die innerhalb unserer Branche aktiv sind, müssen aufeinander zugehen. Ich bin mir sicher, dass eine Menge Ideen oder Maßnahmenkataloge schon gedacht sind, Ideen und Konzepte evtl. sogar vorliegen. Entscheidend wird sein, das wir gemeinsam nach vorne gehen, oder eben lieber jeder für sich. Bei letzterer Vorgehensweise wird es aus meiner Sicht allerdings sehr schwer werden. Als Partner der Gastro-Branche müssen wir eine positive Trendumkehr erreichen. Wir merken natürlich in Gesprächen, wie es um einige unserer Kunden steht. Die Sorgen um die Zukunft sind enorm. Sie fragen sich: Wie geht’s weiter? Wir müssen der Branche jetzt viel Zuversicht geben. Wir müssen alle die Köpfe zusammenstecken – Food- und Technikhersteller, Lieferanten und Händler – die neuen Anforderungen der Kunden definieren und darauf mit Konzepten und Lösungen reagieren. Die nächsten Wochen und Monate werden hart, aber auch sehr spannend werden.

Text: Sabine Romeis
Fotos: Rational